Sich aufrecht halten, den aufrechten Gang üben, sich verbeugen, sich niederknien, das Stehen vor Thron und Altar: All diese Gesten haben nicht nur im volkstümlichen Sprachgebrauch meist eine doppelte Bedeutung. Diese meint neben der Körperhaltung auch die damit zum Ausdruck gebrachte Geste. Jürgen Werths Feststellung „Eine eingeübte Haltung meines Körpers sorgt früher oder später für eine entsprechende Haltung meiner Seele.“ passt gut zu diesen Beobachtungen, zumal wenn wir uns in diesen Tagen durch hektische Einkaufsstraßen bewegen oder auch in Gottesdiensten oder Konzerten Menschen begegnen, die durch ihre Körperhaltungen erkennen lassen, dass sie das übliche Verhalten an solchen Orten eher nicht gewohnt sind. Wer im Konzert an der falschen Stellen klatscht oder aufsteht und wer im Gottesdienst beim Knien oder Stehen anderer irritiert um sich schaut, verrät seine mangelnde Übung. Werths Satz verrät aber noch mehr: Wer mit seinem Körper Haltungen eingeübt hat, kann auch für sein Inneres aus dem Besuch von Gottesdiensten mehr mitnehmen. (S. 63) (Pit)