Seine ganze Unsicherheit in der Begleitung seiner kranken und sterbende Mutter packt der Icherzähler in diesen Satz: Ich wusste nicht, „wann der richtige Zeitpunkt war, etwas zu verändern; dass ich die Zeichen deuten musste, die sie gab, widersprüchlich, wie sie waren; dass ich immer nur reagieren konnte, damit sie sich nicht betrogen fühlte.“ (S. 134) Zwischen ihrem Lebensort München und seinen Aktionsorten Berlin, Frankfurt und Hamburg, zwischen der Sorge um die Mutter und der Sehnsucht nach dem Leben mit seiner schwangeren Frau pendeln er hin und her. Oft zum falschen Termin am falschen Ort. Und immer wieder diese Ungewissheit. Wann muss er als Sohn eingreifen? Wie weit passen geäußerte Wünsche der Mutter und ihre wirklichen Möglichkeiten noch zusammen? Wann steht eine Intervention an, weil die bewunderte, im Privat- und Berufsleben Autonomie gewohnte, nun aber kranke Mutter auch die besten Freundinnen mit Eigenheiten vergrault. Georg Diez erzählt standhaft von seinen Gedanken, Beobachtungen und Gefühlen. Er gibt keine Antworten. Sein Buch gleicht einer stillen Sozialreportage. Minutiös zeichnet er die Stationen nach, erlaubt Teilhabe an einem letzten Wegstück im Leben zwischen Mutter und Sohn. (Pit)