Bei aller Trauer und Tragik in Kamila Shamsies Roman „Verglühte Schatten“, der einige wesentliche Stationen der Weltgeschickte seit Hiroshima und Nagasaki streift, steckt in diesem Roman doch auch die tragende Liebesgeschichte. „Ihr Schmerz riss den Schutzwall nieder, den er unbewusst errichtet hatte, seit er damals beim Anblick des Muttermals unter ihren Augen den spontanen Wunsch verspürt hatte, es zu berühren.“ (S. 122) Sajjad, Sekretär des Hausherrn und Muslim, spürte früh die Zuneigung zu Hiroko. Nach ihrer Flucht aus Japan hat sie bei Freunden in Indien fürs Erste eine Raststelle gefunden und lässt sich von Sajjid in der Landessprache unterrichten. Beim Ringen um Worte finden die beiden zueinander und bleiben dennoch natürlich getrennt, da seine Familie den Bräuchen entsprechend gerade eine muslimische Braut für ihn gefunden hat. Die Verbrennungen durch die Atombombe in Nagasaki, die sich tief in Hirokos Rücken eingebrannt haben, brechen die Verkrustungen zwischen Nationen, Brauchtum und Religionen zwischen diesen beiden Menschen auf. Ihr Anblick ist für Sajjad so eindringlich, dass er alles hinter sich lassen kann und sich diesem Menschen zuwendet. (Pit)