12.11.2010

Gruppen kompetent leiten. Training für Referent/innen und Teambegleiter/innen

Ziel dieser Fortbildung ist die Entwicklung und Festigung eines ebenso persönlichen wie authentischen Stils für Referententätigkeiten und Teambegleitung. Neben der Schulung des persönlichen Auftretens werden Kenntnisse im Bereich von Gruppendynamik und Gruppenprozessen sowie Methodeneinsatz und Didaktik vermittelt. [mehr]

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Immer wieder bieten uns gerade Romane Erinnerungen an tiefe Heimatgefühle an. Mitten in Schilderungen einschneidender Lebensphasen geben die Protagonisten Einblicke in Erfahrungen, Fixpunkte oder auch Lebenswenden begründende Geschehnisse, die weit mehr als diese eine Person, diese eine Geschichte berühren. weiter

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Unsagbares sagbar machen

Kirsten Boie zum sechzigsten Geburtstag

Kinder als Kinder ernst nehmen, ist das Motto von Kirsten Boie. Deshalb legt sie größten Wert darauf, Bücher für Kinder zu schreiben, die literarischen Ansprüchen und der Lebenswelt von Kindern gleichermaßen gerecht werden. Dass ihr das hervorragend gelingt, zeigen nicht nur die zahlreichen Preise, die sie im Laufe der Jahre abgeräumt hat, sondern vor allem der große Zuspruch, den ihre Bücher und ihre Lesungen unter Kindern und Jugendlichen finden. Über sechzig Bücher hat Boie in den letzten dreißig Jahren veröffentlicht, am 19. März 2010 wird sie sechzig Jahre alt.

Boie ist eine echte Hamburger Deern, wurde dort 1950 geboren und lebt bis heute in Hamburg bzw. in der näheren Umgebung der Hansestadt. Nach Studium und Promotion arbeitete sie zunächst als Lehrerin mit den Fächern Deutsch und Englisch. Zur Kinderbuchautorin wurde sie durch Zufall. Als ihr Mann und sie das erste Kind adoptierten, verlangte das Jugendamt von ihr, dass sie ihre Tätigkeit als Lehrerin aufgibt. Daraufhin schrieb sie ihr erstes Kinderbuch: „Paule ist ein Glücksgriff", erschienen 1985.

Das Buch wurde ein großer Erfolg und schaffte es u.a. auf die Auswahlliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis. An diesen großartigen Einstieg konnte sie mit vielen anderen Büchern anknüpfen. 2007 wurde sie für ihr Gesamtwerk mit dem Sonderpreis des Deutschen Jungendliteraturpreises, 2008 mit dem Großen Preis der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur ausgezeichnet.

In Vorträgen, Aufsätzen und Interviews äußert sie sich immer wieder zu Fragen der Kinder- und Jugendliteratur sowie der Leseförderung und vertritt offensiv ihr Anliegen, dass Kinderbücher immer auch Literatur für Kinder sein sollten. Kinder als Kinder ernst zu nehmen, heißt, schreibt sie, „sie berücksichtigen an jedem Punkt, was sie ihren Lesern zumuten und zutrauen können." Kinderbücher müssen für Kinder „sagbar" machen, was sich nicht in Worte fassen lässt. Zum Glück sind viele ihrer Vorträge und Aufsätze auf ihrer Homepage nachzulesen.

In ihrer Kindheit und Jugend hat Boie querbeet alles gelesen, was Buchstaben hatte, von Karl May über Astrid Lindgren - die eines ihrer Vorbilder ist - bis zu Lessing („Nathan der Weise") und Böll. Im Vergleich mit ihrer eigenen Lesebiografie wachsen Kinder heute völlig anders auf, hat sie festgestellt. Ihr standen als Ablenkung, Trost, Projektionsfläche und wozu Bücher noch alles gut sein mögen nur Bücher zur Verfügung, während Kinder heute mit einem Medienmix aufwachsen, in dem Bücher nur eine Option unter anderen sind - und eine anstrengende noch dazu. Dessen müsse man sich in der Leseförderung und bei der Produktion von Erstlese- und Kinderbüchern bewusst sein. Über Erstlesebücher hat sie sich ausführlich Gedanken gemacht. In einem Aufsatz bringt sie es auf den Punkt: Bei allen formalen Vorgaben der Lesedidaktik vermittle eben doch der Inhalt eines Erstlesebuchs, dass Lesen Spaß macht und dass es sich lohnt. Der Abstand zwischen den Lesewünschen eines Erstlesers, der aus anderen Medien und vielleicht auch aus Bilderbüchern mit komplexen Geschichten vertraut ist, und seinen Lesemöglichkeiten sei gigantisch. Diesen Abstand - so weit es geht - zu überbrücken, wäre Aufgabe eines Autors von Erstlesebüchern, meint Boie.

Warum sie Kinderbücher schreibt kann Kirsten Boie übrigens, wie sie selbst gesteht, gar nicht so genau sagen. Dafür aber beschreibt sie, was sie an Kinderbüchern so fasziniert: „Dass Bücher, vor allem, solange man Kind ist, Weichen stellen können, Meinungen festigen und in Frage stellen, Projektionsflächen bieten, trösten, Vorschläge machen ...". Kurzum: Bücher können Kinderherzen (und, ja natürlich: auch Erwachsenenherzen) berühren, müssen es sogar, wenn sie gute Bücher sein wollen. Boie hat das als Leserin selbst erfahren, in ihren Büchern löst sie es ein

Das darf gerne noch eine Weile so bleiben. Deshalb wünschen wir ihr zum sechzigsten Geburtstag noch viele, viele Ideen für berührende, phantasievolle Bücher - ganz uneigennützig, selbstverständlich.

Kirsten Boie. © Oetinger Verlag 2010
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