Norbert Trippen hat in gewohnter Souveränität den Lebensweg und das Wirken des christlichen Sozialwissenschaftlers Joseph Höffner bis zu seiner Bischofsweihe geschildert. Vielen ist Höffner eher als Bischof und Kardinal (1962 - 1987) in Erinnerung. Doch wer den Bischof Höffner verstehen will, der muss das Leben und das Handeln des Sozialwissenschaftlers Höffner kennen. Und daher ist dieses Buch ein Schlüssel zum Verständnis des Bischofs und seines Lebenswerks. Die Lektüre des Buches empfiehlt sich also nicht nur für sozialwissenschaftlich Interessierte, sondern auch für diejenigen, die die bischöfliche Persönlichkeit im Blick haben.
Darüber hinaus können alle, denen die Zukunft der Kirche am Herzen liegt, nach der Lektüre des Buches über die Berufung zum Christsein meditieren, wenn sie sich einerseits bewusst machen, dass heute nicht nur die Zahl der Priesterweihen, der kirchlichen Eheschließungen und des christlichen Engagements in unserer Gesellschaft rückläufig ist, sondern andererseits auch die Bereitschaft und Fähigkeit, die jeweils spezifischen Rollen in Kirche und Welt zu dem Engagement zu integrieren, das einer umfassenden Wahrnehmung der christlichen Sendung entspricht. Höffner ist ein überzeugendes Beispiel dafür, dass sich die Berufung zum Christsein nicht in der bloßen Wahrnehmung der Rolle des Priesters, des Wissenschaftlers, des Politikers, des Unternehmers oder des Gewerkschaftlers erfüllen kann, sondern dass diese Berufung ein integriertes Engagement erfordert: als Priester der Kirche in der Welt von heute, als Wissenschaftler, dessen Denken und Forschen von theologischer Relevanz ist, als christlicher Politiker, der in der Kirche zu Hause ist und der im Staat überzeugend für das allgemeine Wohl wirkt oder als christlicher Unternehmer bzw. Gewerkschaftler, der die Botschaft des Evangeliums in der Welt von Arbeit und Beruf verwirklicht.
Norbert Trippen zeigt, dass Joseph Höffner als Junge im Westerwald, als Schüler und Student, als Seelsorger und Pfarrer, als Beschützer eines jüdischen Mädchens in der Nazi-Diktatur, als Theologe und Volkswirt, als Professor in Trier und Münster, als Berater der Bundesregierung und verschiedener Ministerien, als Verantwortlicher im Bund katholischer Unternehmer und im Zentralkomitee der deutschen Katholiken seine Berufung zum Christsein umfassend gelebt hat. Sein Lebenslauf gewährt Schmalspurtheologen, technokratisch agierenden Politikern oder nach Art von Sozialingenieuren handelnden Arbeitgebern und Gewerkschaftlern keinen Rückhalt, sondern fordert zu einem ganzheitlichen Dienst heraus. Höffners Leben beantwortet drängende Zukunftsfragen christlicher Existenz und so kommt an Trippens Buch niemand vorbei, dem es um die Zukunft der Kirche in unserer Welt geht. Friedrich Kronenberg