24.02.2012

Spurensuche

Wer sind sie, die Helden der Nachhaltigkeit? Was müssen die Figuren in den Geschichten heute tun, um die Welt zu retten? Kann man angesichts der überall herrschenden Unübersichtlichkeit der Verhältnisse überhaupt noch handeln, literarisch oder real? Welche Impulse gibt ein christlicher Schöpfungsglaube? Und kann so ein sachliches und eher abstraktes Thema überhaupt spannend aufbereitet werden und literarisch ankommen? [mehr]

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Eine Frau und ein Mann begegnen sich in einem Wellnesshotel. Sie möchte ein neues Videoprojekt realisieren, er sucht nach einem Weg aus der Schreibblockade. Beide haben unruhige Zeiten und manches Unbearbeitete und Nichtverdaute im Lebensgepäck. Durch wechselseitiges Beäugen, Begleiten in Gedanken ... weiter

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Rasante Schnitzeljagd

"Illuminati": Kirchenkritische Spitzen bleiben weitgehend aus

Da liegt es, im Hochsicherheitstrakt des Vatikan-Archivs, angegilbt und kurz vorm Auseinanderfallen: Das dritte Buch des Galileo Galilei, mit dem Robert Langdon seine nächste Abhandlung fertig stellen könnte. Gerade hat der bekannte Symbologe einen versteckten Vers am Rand entdeckt, doch die Zeit drängt. Kurzerhand reißt seine Begleiterin die betroffene Seite aus dem kostbaren Büchlein und Langdon erschreckt die Augen auf. Ein Sakrileg, selbst oder gerade für den sonst so wenig zimperlichen Kunstexperten, doch die Vorzeichen haben sich geändert. Entziffert wird in "Illuminati" später und dann höchstens nebenbei auf der Fahrt zum nächsten Tatort. Anders als der langatmig dozierende "The Da Vinci Code - Sakrileg" ist Ron Howards zweite Verfilmung eines Dan Brown-Bestsellers Bewegungskino in seiner linearsten Form - ohne die ausgearbeiteten Rückblicke und Parallelmontagen seines Vorgängers. Die vorherige, behäbige Schatzsuche auf den Pfaden religiöser Vertuschungs-Strategien wird in "Illuminati" zur rasanten Schnitzeljagd im mörderischen Wettlauf mit der Zeit. Und Robert Langdon, einst ein Dorn im Auge des Vatikans, tritt nun in dessen Dienste, als er trotz vergangener Querelen zur Hilfe gerufen wird. Im Namen der Kino-Logik verweist Howard die Ereignisse des 2003 veröffentlichten Romans "Sakrileg" vor die von "Illuminati", obwohl die Buchvorlage bereits 2000 erschien. Ein cleverer Schachzug im umkämpften Feld des Blockbuster-Marketings, schließlich führte erst der Kino-Erfolg des weitaus bekannteren Plots um den "Da Vinci Code" zur literarischen Renaissance seines Vorgängers.

Das Problem, mit dem sich der Vatikan diesmal herumschlagen muss, ist um einiges handfester als die Pseudo-Bedrohung durch die "Aufdeckung" einer angeblichen amourösen Beziehung zwischen Jesus und Maria Magdalena, um die es im "Da Vinci Code" ging: Vier Kardinäle, ausgerechnet die aussichtsreichsten Kandidaten für den kürzlich verwaisten Heiligen Stuhl, wurden kurz vor der anstehenden Konklave entführt. Zeitgleich verschwand ein mit Antimaterie gefüllter Behälter aus dem schweizerischen CERN, der irgendwo im Vatikan versteckt wurde und nun um Mitternacht zu detonieren droht - eine Bombe von so gewaltiger Kraft, dass sie die Ewige Stadt samt dem Vatikanstaat in Schutt und Asche legen würde. Bis dahin soll jede Stunde ein Kardinal hingerichtet werden, so lautet die ominöse Drohung, zu der sich der Geheimbund der wissenschaftsgläubigen Illuminati bekennt. Ein Vergeltungsakt der einst grausam in den Untergrund getriebenen "Ketzer" oder ein perfides Ränkespiel innerhalb des Vatikans? Von Verschwörungstheorien umrankt und von Unruhestiftern unterwandert scheinen die geheiligten Mauern und ihre Wächter, die Schweizergarde, ohnehin. Also hastet Langdon mit der Physikerin Vittoria Vetra unter doppeltem Zeitdruck von einer römischen Kirche zur anderen, immer einen Wimpernschlag zu spät für den Killer.

In Krisenzeiten greift also eine geistige Institution sogar auf ihren weltlichsten Kritiker zurück - und Hollywood auf seinen vertrauenswürdigsten Mimen: Tom Hanks, diesen Darsteller integrer Unscheinbarkeit mit dem Gesicht eines skeptischen kleinen Jungen, dessen Charaktere immer mehr von der ihnen eigenen Dynamik als vom Image ihres Schauspielers lebten. In "Illuminati" treten indes seine Figur wie auch seine Mitspieler fast ganz in den Hintergrund angesichts der Action und der ästhetischen Wucht seiner zu entschlüsselnden kulturgeschichtlichen Rätsel. Gar zu touristisch beeindruckt gibt sich der Blick des amerikanischen Regisseurs Ron Howard auf die kulturelle Extravaganz, die die Ewige Stadt zu bieten hat, um auch noch die Entwicklung der Charaktere und ihrer Beziehungen näher zu beleuchten. Für das Abtasten der Mimik von Tom Hanks bleibt da wenig Platz, zumal ihm Armin Mueller-Stahl und Ewan McGregor in Vatikans-Tracht die Bühne streitig machen.

Das Trio verkörpert die Dialektik von Wissenschaft und Religion, von Glaube und Vernunft, von der "Illuminati" jenseits der spannend inszenierten, aber sich letztlich in bekannten Genrekonventionen bewegenden Killer-Schnitzeljagd lebt - und das von seinen ersten Einstellungen an: In ihrem Exposé schwelgt die Kamera förmlich in der Ausstattung der prunkvoll nachgebildeten Säle und Gänge des Vatikans - eine Drehgenehmigung wurde verweigert -, und fängt die dem Tod des Papstes folgenden Riten akribisch ein. Die warmen Farben Purpur und Beige beherrschen das Bild einer in sich ruhenden, traditionsreichen Gemeinschaft. Damit kontrastiert die darauf folgende, hektische Stimmung im kalt-blauen Hochtechnologie-Zentrum des CERN (atemberaubend: Kamerafahrten, die den Weg von Protonen im Teilchenbeschleuniger suggerieren).

Die kirchenkritischen Spitzen, die beim Kinostart des "Da Vinci Code" für viel Rauschen im Blätterwald sorgten, bleiben bei diesem visuellen "Clash" von Tradition und Moderne allerdings weitgehend aus. Howards bisweilen etwas überkonstruierter Religions-Thriller gibt sich trotz flüchtiger Seitenhiebe in seiner Darstellung der Institution Kirche vielmehr respekt-, ja fast schon ehrfurchtsvoll, sei es nun in der Inszenierung der würdevollen Zeremonien oder aber der gläubigen Menschenmassen auf dem Petersplatz, die in ihren geistigen Führern Halt suchen. Letztlich schlägt "Illuminati" einen zutiefst christlichen Grundton an, der versöhnen will. Einhergehend mit einem Schuldeingeständnis wird Langdon ein Ratschlag erteilt, dem auch Ron Howards Film zu folgen scheint: Urteilen Sie gnädig, denn wenn die Kirche auch Makel hat, so entspringen diese der Unvollkommenheit, die allen Menschen eigen ist. (Kathrin Häger/Filmdienst)

Quelle: Filmdienst

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