24.02.2012

Spurensuche

Wer sind sie, die Helden der Nachhaltigkeit? Was müssen die Figuren in den Geschichten heute tun, um die Welt zu retten? Kann man angesichts der überall herrschenden Unübersichtlichkeit der Verhältnisse überhaupt noch handeln, literarisch oder real? Welche Impulse gibt ein christlicher Schöpfungsglaube? Und kann so ein sachliches und eher abstraktes Thema überhaupt spannend aufbereitet werden und literarisch ankommen? [mehr]

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Und wieder eines dieser Beispiele, wo sich inmitten eines dicken, lesenswerten Romans in einem kleinen Seitenstrang, kaum fünf von über fünfhundert Seiten, eine wunderschöne kleine Geschichte mit einem beeindruckenden Satz auftut. weiter

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Märchen, Wissen und Soundtracks

Hörbücher für Kinder und Jugendliche

Bei den meisten Kindern beginnt die Lesesozialisation schon bevor sie selbst lesen können. Häufiges oder sogar regelmäßiges Vorlesen nährt ihren Wunsch nach Geschichten. „Meister Eder und sein Pumuckl“ oder „Heidi“ fanden schon vor Jahrzehnten den Weg in die Kinderzimmer, wo sie wieder und wieder gehört wurden. Wie sieht es heute im Bereich Hörbuch aus? Thomas Völkner schreibt über inhaltliche Trends und die Akteure im Marktsegment der Kinder- und Jugendhörbücher.

Bei den meisten Kindern beginnt die Lesesozialisation bereits zu einem Zeitpunkt, an dem sie noch nicht in der Lage sind, selbständig zu lesen. Vielmehr wird ihr Wunsch nach Geschichten durch die Erfahrung genährt, dass ihnen häufig oder sogar regelmäßig vorgelesen wird – von der Mutter, dem Vater, einem anderen Verwandten, einer Erzieherin, einem Lesepaten. Technische Innovationen aus dem 20. und frühen 21. Jahrhundert ermöglichen es, dass das gesprochene Wort auch auf Tonträgern gebannt wird bzw. mittels elektronischer Übertragungswege an die jungen wie alten Hörer gelangt. Zwar weisen Pädagogen zu Recht auf die Unterschiede des Vorlesens durch eine im Raum anwesende Person und der Rezeption einer zunächst unbekannten, anonymen Sprecherstimme hin. Dennoch darf behauptet werden, dass auch Audiomedien zur Entwicklung einer Beziehung zu literarischen Texten und schließlich zur Erlangung von Lesekompetenz bei Kindern beitragen können.

Neben Rezitationen von dramatischer Literatur zählten Märchen und Kindergeschichten zu den ersten kommerziellen Wort-Produktionen der Tonträgerindustrie. Heute 30- bis 50-Jährige erinnern sich gerne an die 1966 gestartete Märchenserie des Plattenlabels „Europa“, an die Karl-May-Titel des Regisseurs Konrad Halver aus den 1970ern, später an die Hörspiele mit den „Drei ???“, „TKKG“, „Bibi Blocksberg“ und „Benjamin Blümchen“ auf Kassetten. Literarisch wertvoll oder nicht: Diese Serien beförderten den Hörbuchboom des zurückliegenden Jahrzehnts in erheblichem Maße. Anders ausgedrückt: Wer heute als Erwachsener Spaß an Live-Lesungen mit Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich (alias Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews) hat und die alten „Drei ???“-Kassetten in Ehren hält, dürfte empfänglich sein für die Produktionen der modernen Hörbuchverlage. Aber welche Akteure gibt es heute im Marktsegment der Kinder- und Jugendhörbücher, welche inhaltlichen Trends können festgestellt werden?

Programmschwerpunkt: Kinder- und Jugendliteratur

Es verwundert keineswegs, dass mehrere Unternehmen sich nahezu vollständig auf das Segment der Kinder- und Jugendhörbücher konzentrieren. Da ist beispielsweise der Verlag Jumbo Neue Medien, der gerade seinen 20. Geburtstag gefeiert hat und mit dem man unter anderem Klassiker wie „Die kleine Raupe Nimmersatt“, Kirsten Boies Geschichten mit dem kleinen Ritter Trenk sowie „Die wilden Hühner“ und die Tintenwelt-Trilogie von Cornelia Funke verbindet. Mehrere bekannte Sprecher (Katharina Thalbach, Dietmar Wunder, Ulrike Hübschmann, Dietmar Mues, Christian Brückner etc.) waren und sind für Jumbo tätig. Einige Produktionen sind in Zusammenarbeit mit dem Norddeutschen Rundfunk (NDR) entstanden oder basieren auf Sendungen des öffentlich-rechtlichen Hörfunks. Unter der Bezeichnung „Goya libre“ veröffentlicht der in Hamburg ansässige Verlag inzwischen auch All-Age-Titel, und als „GoyaLIT“ ist man mit einem allgemeinen literarischen Programm präsent.

In ihr zweites Jahrzehnt ist jüngst die HörCompany eingetreten. Gemessen an seiner überschaubaren Größe ist das unabhängige, ebenfalls in Hamburg tätige Unternehmen erstaunlich oft in prestigeträchtigen Auswahl- und Preislisten aufgetaucht, z.B. auf der hr2-Hörbuchbestenliste des Hessischen Rundfunks oder bei der Verleihung des Deutschen Hörbuchpreises. Hervorzuheben sind die akustischen Umsetzungen der Grüffelo-Geschichten von Julia Donaldson, die in den Buchfassungen von Axel Scheffler hinreißend illustriert wurden. Für das Hörbuch hat Ilona Schulz den Text eingesprochen und eingesungen; eine „Grüffelo-Lieder-CD“ folgte bald darauf. Im zurückliegenden Programm sind Hörbuchversionen von Finn-Ole Heinrichs „Ferk, du Zwerg!“ sowie „Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums“ von Salah Naoura erschienen. Regelmäßig vertont die HörCompany auch die Titel der in Barbara Kindermanns Berliner Kleinverlag erschienenen Reihe „Weltliteratur für Kinder“, in denen Dramentexte der deutschen Klassik und des Welttheaters (Faust, Wilhelm Tell, Hamlet, Nathan der Weise etc.) in kindgerechte Prosa gebracht werden. Wenn der Sprecher Samuel Weiss beim Hamlet-Vortrag „Ich wittere Morgenluft“ sagt, kann dies durchaus auf das Vermittlungspotenzial von mehr oder weniger angestaubten Texten bezogen werden, die in Wahrheit wunderbare Geschichten enthalten.

Weitere Verlage, die sich auf Kinder- und Jugendliteratur konzentrieren, sind etwa Igel Records (gegründet 1990, aktuell mit Jutta Richters „Ich bin hier bloß der Hund“), Audiolino (2004, „Der Menschensohn – Die Geschichte vom Leiden Jesu“ von Michael Köhlmeier) und Silberfisch (ein Imprint des erfolgreichen Verlags Hörbuch Hamburg, „Nichts“ von Janne Teller).

Vermittlung von Wissen

Einen großen Trend auf dem Buchmarkt – und somit auch im Hörbuchsegment – stellt das Themenfeld „Wissenserwerb und Wissensvermittlung“ dar. Ein Teil der bildungspolitischen Debatte, die mit der Veröffentlichung der ersten PISA-Studie vor mittlerweile zehn Jahren einsetzte, konzentrierte sich auf die Nutzung moderner audiovisueller Medien zur Vermittlung von Wissen. Mit dem Schlagwort „Wissen“ lassen sich seither ganze Fernseh-Spartensender und Hochglanzmagazine füllen, und die entsprechenden Angebote für das junge Publikum sind mehr als nur Abfallprodukte der Erwachsenen-Schienen. Kein Wunder, dass der in der ersten Hälfte des zurückliegenden Jahrzehnts boomende Hörbuchmarkt sich schnell des Themas annahm.

Der Nürnberger Tessloff Verlag hat schon Dutzende Titel seiner seit fünf Jahrzehnten bestehenden Reihe „Was ist was“ als Hörbücher umgesetzt. Eines der Hörbuch-Imprints der Random-House-Gruppe, cbj audio, arbeitet mit der Zeitschrift „GEOlino“ (Gruner & Jahr) zusammen und bietet bereits 20 Titel der Reihe „GEOlino extra Hörbibliothek“ an.

Auch kleinere, unabhängige Verlage bieten bemerkenswerte Produktionen an. So führt das Kölner Label „headroom“ gegenwärtig zwei Wissensreihen in seinem Programm: „Abenteuer & Wissen“ verknüpft die Erzählung eines historischen Abenteuers mit den Statements eines Abenteurers von heute. Beispielsweise berichten Sigmund Jähn, DDR-Kosmonaut und erster Deutscher im Weltall, und ESA-Astronaut Thomas Reiter, der auf den Raumstationen MIR und ISS gearbeitet hat, von ihren Erlebnissen und runden damit die erzählerischen und spielerischen Passagen des Hörbuchs „Kosmonauten – Mit 20 Millionen PS ins All“ ab. In dem mit vielen Soundelementen und Musik produzierten Titel „Alexander von Humboldt – Bis ans Ende der Welt“ liefert der Filmemacher Werner Biermann, der vor einigen Jahren auf den Spuren des preußischen Naturforschers durch Venezuela, Brasilien, Kolumbien und die Karibik reiste, eine aktuelle Einschätzung von Humboldts historischer Leistung. Die zweite „headroom“-Reihe trägt den Titel „Rätsel der Erde“ und enthält einen größeren Anteil an fiktionalen Elementen. Mit geschichtlich fundierten Spielszenen und lebendigen Dialogen vermitteln die Autoren und Hörbuchmacher jene Themen, zu denen wenig – und wenn, dann lediglich fragmentarische – Zeugnisse existieren, zum Beispiel die Geschichte der Inka-Hochkultur („Söhne der Sonne“) oder Wissenswertes über das Leben in der Jungsteinzeit („Ötzi – Der Sensationsfund“). Teilweise extrem divergierende wissenschaftliche Befunde werden gekonnt ver-dichtet und von den Produzenten in szenischer Form auf den Punkt gebracht.

Auch die Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WBG), die verschiedene Tochterunternehmen und Imprints unterhält, veröffentlicht in ihrem 2008 übernommenen Hörbuchlabel „auditorium maximum“ Sachbuchtitel für Kinder. Neben einer biographischen Reihe „Wer war...?“ mit Produktionen über Mozart, Kolumbus, Sitting Bull und anderen historischen Persönlichkeiten stehen Einzeltitel wie „Alles wie im Märchen? So lebten die Prinzen und Prinzessinnen wirklich“. Mit seinen inhaltlich erstklassigen, im Vergleich zu einigen zuvor genannten Wissensreihen aber akustisch nüchterner daherkommenden Titeln wird der Hörbuchableger der WBG der Mission des Mutterhauses voll und ganz gerecht.

Musikalische Bildung

Die ersten Wortproduktionen erschienen bei Unternehmen, die vor allem Aufnahmen von musikalischen Werken auf Vinyl pressten. Diese firmengeschichtlich begründete Nähe zur Musik wird auch in den zahlreichen Kindermusik-CDs deutlich, die die Hörbuchverlage auch heute noch im Programm haben. Hinzu kommen innovative Produktionen wie die bei Igel Records erschienene, 14 CDs umfassende Edition „Das große Hörbuch der Musikgeschichte“, die 2011 für den Leopold-Preis des Verbands deutscher Musikschulen e.V. nominiert war. Der in Stuttgart beheimatete Griot Hörbuchverlag gibt die Reihe „Abenteuerland Klassik“ heraus. Jeder Titel besteht aus einer spannenden, als Hörspiel umgesetzten Kriminalstory, in deren Mittelpunkt ein Komponist steht („Bach und die Feuerorgel“, „Beethoven und die heiße Silvesternacht“ etc.). Beigelegt sind jeweils eine CD mit Auszügen aus Musikwerken des Komponisten sowie ein 48-seitiges Booklet mit zusätzlichen biographischen Informationen. Der Verlag Uccello aus München verbindet Wort und Musik bei einer Handvoll Produktionen zu religiösen Themen. So enthält die gerade neu aufgelegte CD „Sankt Martin“ verschiedene „Geschichten vom Teilen“, unter anderem vorgetragen von Ulrike Folkerts, daneben aber auch Martins- und Laternenlieder.

Crossmedial eingesetzte und entwickelte Figuren

Bereits vor 35 Jahren setzten Plattenfirma wie Europa (heute Teil von Sony Music Entertainment) und besonders Karussell (Universal Music) auf Hörspielproduktionen, die auf Fernsehserien für Kinder beruhten. Auf diesem Weg fanden „Heidi“, „Wickie und die starken Männer“, „Meister Eder und sein Pumuckl“ und „Alf“ den Weg in die Kinderzimmer, wo sie wieder und wieder rezipiert wurden. Selbst wenn einige Serien ursprünglich auf erfolgreichen Buchveröffentlichungen basierten, wurden die Hörspiele meistens in zeitlicher Nähe zu den TV-Ausstrahlungen auf den Markt gebracht. Diese crossmediale Vermarktung von literarischen Figuren ist auch heute zu beobachten. Relativ neu sind dabei Hörspiele, die auf den Soundtracks von Kinofilmen beruhen, die für die Veröffentlichung auf CD umgeschnitten werden. Aktuelles Beispiel ist die beim Marktführer Der Hörverlag (DHV) erschienene Produktion „Tom Sawyer“ nach dem Familienfilm von Regisseurin Hermine Huntgeburth. Hier kann das Hörbuch neben den Stimmen der Kinderdarsteller Louis Hofmann und Leon Seidel auch mit Heike Makatsch, Benno Fürmann, Joachim Król, Peter Lohmeyer und Sylvester Groth aufwarten. Dass sich eine medienübergreifende Vermarktung auch auf Ereignisse aus der realen Welt beziehen kann, zeigt das 2005 in Print und Audio gestartete Projekt „Die Teufelskicker“ der Autorin Frauke Nahrgang, das zunächst gezielt die Fußball-WM des Jahres 2006 im Blick hatte, seither aber erfolgreich weitergeführt wird.

Thomas Völkner

Bild: borro medien gmbh
Bild: borro medien gmbh
Die Entwicklung des Hörbuchs: Von der Schallplatte ... (Bild: imelenchon / morguefile.com)
... über die Kassette ... (Bild: Alvimann / morguefile.com)

Hörbuch, Hörspiel - Was ist der Unterschied?

Die Bezeichnung Hörspiel wird als Überbegriff für alle Formen von gesprochenen und gespielten Texten verwendet, die auf einem Trägermedium gespeichert sind. Enger gefasst ist ein Hörbuch eine Lesung eines Textes und lebt von der Stimme des Sprechers. Das Hörspiel dagegen ist vergleichbar mit einem gesprochenen Theaterstück: Es enthält szenische Elemente, oft mit verschiedenen Sprechern, Geräuschen, Klängen und Musik.

... zur CD. (Bild: August Scavenger Hunt / morguefile.com)
Im Trend: Dateidownload auf den mp3-Player (Bild: J. Durham / morguefile.com)

So hören wir

Quelle: Lernmax / youtube.com
Bild: drowninsanity / morguefile.com

Akustische Täuschungen

Analog zu den optischen Täuschungen gibt es Töne bzw. Tonfolgen, die dem Gehirn etwas vorgaukeln. Ein Beispiel ist die Shepard-Tonleiter, eine scheinbar endlos aufsteigende Tonleiter. Weil zeitversetzt an- und abschwellende Sinustöne auf das Ohr treffen, kann das Gehirn nicht zwischen Grund- und Oberton unterscheiden. Wenn nun nicht einzelne Töne, sondern gleitende Tonfolgen verwendet werden, nennt man den Effekt Shepard-Risset-Glissando. Derselbe Effekt kann auch für “endlos” absteigende Tonfolgen verwendet werden.

Schon Johann Sebastian Bach hat in seinem “Canon per tonus” durch geschickte Modulation den Eindruck eines unendlichen Stücks erweckt, das kaum merkbar immer höher steigt. Das tut es auch, endet jedoch nach einer Oktave. Wenn man nun den Shepard-Effekt auf dieses Stück anwendet, entsteht tatsächlich ein “unendlicher” Kanon.

Wenn man das Ohr an eine große Muschel hält, hört man darin ein Rauschen. Das Meer? Nein, lediglich die Umweltgeräusche. Auf der einen Seite schirmt die schneckenförmige Muschel einen Großteil dieser alltäglichen Geräusche wie Wind, Blätterrauschen, Wasser, Autos, technische Geräusche ab, auf der anderen verstärkt sie diese. Das Gehirn kann sich nun besser auf diese konzentrieren. Ein ähnlicher Effekt kann übrigens auch mit anderen Hohlkörpern erzeugt werden, sogar mit der hohlen Hand. Probieren Sie es aus!

Auch Verhörer sind eine Art akustische Täuschung. Immer wieder kommt es vor, dass wir bei fremdsprachigen Liedern etwas anderes hören als tatsächlich gesungen wird. Das liegt nicht (nur) an mangelnden Sprachkenntnissen. Wenn sich die Wort- und Satzmelodie auch mit einem deutschen Text verträgt, der uns vertrauter ist, ist das Gehirn auf den falschen Text ausgerichtet und hört nur diesen. Das kann sogar in der eigenen Sprache passieren, wie die kleinen Handbücher des Verhörens von Axel Hacke und Michael Sowa (Der weiße Neger Wumbaba, MedienNr. 217649 und 269238) unterhaltsam veranschaulichen.

Zum Autor

Thomas Völkner ist freier Journalist für Hörfunk und Printmedien. Er lebt und arbeitet in Leipzig.

Dieser Beitrag erscheint ebenfalls in der Zeitschrift BiblioTheke, Ausgabe 1/2012.

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