Der israelische Schriftsteller David Grossman erhält in diesem Jahr den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Grossman gebe dem schwierigen Zusammenleben von Israelis und Palästinensern eine literarische Stimme, die in der Welt gehört werde, begründet der Stiftungsrat des Friedenspreises seine Wahl. Grossmans Bücher zeigen, „dass die Spirale von Gewalt, Hass und Vertreibung im Nahen Osten nur durch Zuhören, Zurückhaltung und die Kraft des Wortes beendet werden kann." In seinem Hauptwerk „Eine Frau flieht vor einer Nachricht", in Deutschland 2009 erschienen (Borro-Rezension siehe unten), zeige Grossman die Bedeutung der Sprache für die Suche nach Identität und warne vor ihrer zunehmenden Militarisierung, so der Stiftungsrat weiter. „So bietet er inmitten einer Realität von Willkür, Zwang und Entfremdung Auswege aus dem jetzigen Zustand der Gesellschaft, die sich zwischen Krieg und Frieden befindet."
An der Kraft des Wortes hält Grossman fest, obwohl er selbst erfahren hat, wie wenig Worte schützen. Als er mit der Arbeit an „Eine Frau flieht vor einer Nachricht" begann, hoffte er, damit seinen Sohn Uri schützen zu können, der gerade seinen Militärdienst begonnen hatte. Seine Romanfigur Ora lässt er erleben, was er sich erhofft. Als ihr Sohn Ofer sich freiwillig zu einem Militäreinsatz meldet, will sie ihn beschützen, indem sie seinem leiblichen Vater, der bis dahin keinen Kontakt zu seinem Sohn wollte, von Ofer erzählt.
Weder für Ora noch für Grossman erfüllte sich diese Hoffnung; Grossmans Sohn Uri starb am 12. August 2006, in den letzten Stunden des zweiten Libanonkrieges, als eine Rakete seinen Panzer traf. Da war der größte Teil des Romans bereits geschrieben; die Todesnachricht, vor der Ora im Roman zu fliehen versucht, hat den Autor erreicht.
Auch über sein literarisches Schaffen hinaus meldet Grossman sich kritisch zur israelischen Politik zu Wort. Zuletzt kritisierte er in der Frankfurter Allgemeinen die israelische Militäraktion gegen Schiffe, die die Seeblockade des Gaza-Streifens durchbrechen wollten.