Zwei Jungen hocken auf dem Boden und spielen Mühle. Der eine in der gestreiften Kleidung eines Sträflings, der andere adrett in kurzärmeligem Hemd und kurzer Hose. Die beiden trennt ein hoher, stacheldrahtbewehrter Zaun. An Bildern und Szenen wie dieser aus dem Film “Der Junge im gestreiften Pyjama” scheiden sich die Geister, wie schon an der Jugendromanvorlage des irischen Schriftstellers John Boyne, die 2007 in Deutschland erschienen ist.
“Der Junge im gestreiften Pyjama” erzählt vom Holocaust aus der Perspektive eines völlig naiven Kindes. Bruno, Sohn einer Nazigröße, zieht mit seiner Familie in den Osten, weil sein Vater zum Kommandanten von Auschwitz befördert worden ist. Doch der Junge weiß nichts von dem Lager und vom Treiben seines Vaters. In seinem neuen Zuhause fühlt er sich nicht wohl, weil er völlig isoliert lebt. Eine kleine Pforte in der Gartenmauer wird zum Fluchtweg in den Wald hinter dem Haus. Schon bald landet Bruno am Zaun des Lagers und trifft dort auf den gleichaltrigen Shmuel. Zwischen den beiden Jungen entsteht eine Freundschaft.
Boynes Roman wurde zum Bestseller und wurde u.a. mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis und dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Zugleich gab es viele Stimmen, die u.a. die völlige Naivität des Jungen kritisierten, der von den Lagern und dem, was sein Vater tut, nichts ahnt. Auch an der historischen Stimmigkeit des Buches - es habe keine Achtjährigen in Auschwitz gegeben, weil alle nicht arbeitsfähigen Kinder sofort vergast worden seien, außerdem sei es unwahrscheintlich, dass die Kinder sich am Zaun treffen konnten, ohne dass die Lagerwachen darauf aufmerksam wurden - entzündete sich Kritik.
Auch der Film zum Buch, der am 7. Mai 2009 in die deutschen Kinos kommt, spaltet die Kritiker. Der Filmdienst würdigt die Kinofassung als “irritierend naive, zärtliche Annäherung an den Holocaust”, deutlich kritischere Besprechungen gab es im Spiegel (19/2009) und in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (“Man möchte den Film hassen. Aber es klappt nicht, weil er den Zuschauer wider besseren Wissens berührt.” - FAS 3.5.2009).
Wir haben für Sie die Filmdienstrezension, den Trailer und die Rezensionen zu Buch und Hörbuch zusammengestellt.