Kolumbus und Magellan sind oft unter den ersten Namen, die zum Stichwort „Entdecker“ fallen. Weite Meere, unbekannte Gegenden, ja, ganze Kontinente entdecken, das fasziniert viele Menschen auch heute noch, obwohl oder gerade weil die Erde fest im Visier von unzähligen Geo-Satelliten ist. Kommen Sie auf Entdeckungsreise mit drei Persönlichkeiten und unseren Medienempfehlungen für Erwachsene und Kinder!
Erfahren, erleben, erleiden
Dem Bild des klassischen Entdeckers auf See entspricht James Cook, der im Auftrag der britischen Regierung auf langen, strapaziösen Seefahrten die Beschreibung weiter Teile der Welt vervollständigte. Seine Entdeckungen beging er nicht als brutaler Eroberer, sondern hatte sich vor allem durch sein diplomatisches Geschick und wissenschaftliche Leistungen einen Namen gemacht. Zum Ende der europäischen Aufklärung zeigten die Landkarten im Großen und Ganzen die uns heute bekannten Umrisse der Kontinente und Länder.
Auch die Öffentlichkeit war begierig, mehr von der Welt zu erfahren. So konnte Georg Forster, der als junger Zeichner Cook auf seiner zweiter Expedition begleitete, aus erster Hand berichten. 1778 veröffentliche er seine „Reise um die Welt“ und wurde zum europäischen Idol. Seine Reisebeschreibungen weckten Sehnsüchte und inspirierten Persönlichkeiten wie Alexander von Humboldt, für den Forster nicht nur Vorbild, sondern in jungen Jahren auch Freund und Lehrer war. Rund zehn Jahre später brach Humboldt zu seiner ersten großen Reise nach Südamerika auf. Das Ziel war bekannt, er fuhr nicht mehr ins Ungewisse wie frühere Entdecker. Dennoch wird Humboldt oft als zweiter Entdecker Amerikas tituliert. Seine umfangreichen Reiseberichte zeigen, dass es ihm um mehr als die reine Vermessung der Welt ging: Er wollte die Zusammenhänge erkennen und hatte immer das Ganze im Blick.
Der Nichtentdecker
„Der Name des Weltumseglers Cook ist zu allgemein bekannt, und seine Seereisen haben ihm die Bewunderung seiner Zeitgenossen in einem viel zu hohen Grad erworben, als daß noch jemand fragen könnte; wer war Cook, und was that er?“ So beginnt Georg Forster einen Essay über James Cook (James Cook, der Entdecker, MedienNr. 298483). Tatsächlich rangiert er auch heute noch unter den „Top 20“ der bekanntesten Briten aller Zeiten.
Am 27.10.1728 in Yorkshire geboren, wuchs der Sohn einfacher Landarbeiter in ärmlichen Verhältnissen auf. Mit 18 Jahren heuerte Cook auf einem Kohlefrachter als Matrose an und wechselte einige Jahre später zur Royal Navy. Dies markierte den Beginn seines sozialen Aufstiegs und seiner Karriere zum Kartographen und überragenden Seefahrtskapitän. Der junge Seefahrer war ehrgeizig und galt als unnahbar. Seiner Fähigkeiten wegen wurde er von der Admiralität 1768 als Leiter einer mehrjährigen Pazifikexpedition ausgewählt. Nur ein Jahr nach seiner Rückkehr brach er 1772 zu seiner zweiten großen Südseereise auf. Er erstellte genaue Karten vom damals noch weitgehend unbekannten Pazifik und festigte damit die britische Vorherrschaft auf den Weltmeeren. Mit seiner Umrundung der Antarktis widerlegte er den hartnäckigen Mythos der „Terra australis“. Damals glaubte man, ein südlicher Gegenkontinent mit angenehmem Klima begrenze die Weltmeere und seine Bevölkerung wäre ein begehrter Handelspartner für Europa. Die Nicht-Entdeckung des unbekannten Südlandes gilt als eine von Cooks großen Leistungen.
Der begabte Kapitän tat viel für die Gesundheit seiner Besatzung. Streng achtete Cook auf die Einhaltung seiner Hygieneregeln und befahl der Mannschaft, eingelegtes Gemüse und frisches Obst zu essen. Damit gelang es ihm, gefürchtete Krankheiten wie durch Vitamin-C-Mangel verursachten Skorbut einzudämmen. Die mitreisenden Wissenschafter beschrieben die Menschen, Pflanzen- und Tierwelt der erkundeten Gebiete und sammelten unzählige Belegexemplare und Gegenstände. Cook begegnete der lokalen Bevölkerung mit diplomatischem Geschick und war bereit, Vorurteile in Frage zu stellen und den Dingen durch eigene Erfahrung und Experimente auf den Grund zu gehen.
Erschöpft von den Strapazen der langen Jahre auf See und trotz der Verantwortung gegenüber seiner Frau konnte Cook 1776 dem neuerlichen Ruf der Admiralität nicht widerstehen und brach auf zu einer der bedeutendsten und abenteuerlichsten Forschungsreisen, die je unternommen wurde. Sie erweiterte das Weltwissen Europas und sollte gleichzeitig Cooks letzte sein. Der Auftrag lautete in erster Linie, eine mögliche Nordwest-Passage vom Pazifik in den Atlantik zu finden. Zudem sollte der polynesische Häuptling Omai in seine Heimat zurückgebracht werden. Die insgesamt vier Jahre dauernde Reise führte von Plymouth auf bekannten Kursen zuerst in die tropische Südsee. Viele neue Inseln wurden entdeckt, darunter auch Hawaii. Cook segelte weiter Richtung Beringstrasse zur Nordwestküste Amerikas. Nördlich der Beringstrasse setzten das Eis und die arktische Kälte der Suche nach der Nordwest-Passage ein vorläufiges Ende. Die Reise ging wieder in wärmere Gefilde und Cook wurde bei seiner Ankunft in Hawaii von den Insulanern wie ein Gott behandelt. Die Erfolgserwartungen, der Verantwortungsdruck und die Entbehrungen hatten Cook zunehmend jähzornig werden lassen. Vergehen der Mannschaft und Diebstähle durch die Insulaner bestrafte er grausam. Am 14. Februar 1779 wurde er bei einem Streit mit den Einheimischen getötet. Die genauen Umstände seines Todes sind nicht restlos geklärt. Die heute verbreitete Schilderung können Sie in Lukas Hartmanns Roman "Bis ans Ende der Meere" (MedienNr. 307082) nachlesen.
Sein Tod machte James Cook endgültig zum britischen Helden, und sein Stern als großer Pionier des 18. Jahrhunderts und eines der bedeutendsten Seefahrer der Entdeckungsgeschichte strahlt noch heute.
Der Reisejournalist
Kein Deutscher hatte zu der damaligen Zeit mehr von der Welt gesehen als Georg Forster (1754-1794). Vom Vater unterrichtet trug der sprachlich begabte Georg schon früh mit Übersetzungsarbeiten zum Einkommen bei. Mit 17 Jahren begleitete er als Assistent seines Vaters James Cook auf seiner zweiten Weltumseglung und lieferte bemerkenswerte naturwissenschaftliche, zeichnerische und völkerkundliche Beiträge. Seine Reiseberichte zeichnen sich durch ein weniger idealisiertes Bild der Südsee als die seiner Vorgänger aus. Forsters Hauptinteresse auf den Entdeckungsreisen galt vor allem dem sozialen Verhalten der Menschen. Nicht umsonst gilt Forster heute als einer der ersten und bedeutendsten deutschen Ethnologen und als Begründer der modernen Reiseliteratur.
1777 veröffentlichte als 22-Jähriger seinen brillanten Bericht „A voyage round the world“ (dt.: Reise um die Welt), der sich an ein allgemeines Publikum wandte und mit dem Forster sofort berühmt wurde. Obwohl er nie eine reguläre Schule besucht hatte, erhielt der weitgereiste Zeichner eine gut bezahlte Anstellung als höherer Lehrer in Kassel. Er galt bald als Genie und traf sich mit berühmten Größen seiner Zeit. Seine Karriere führte in als Professor an die Universität von Wilna und später als Bibliothekar nach Mainz. 1790 begleitete Forster den jungen Alexander von Humboldt auf seiner Reise dem Niederrhein entlang und weiter nach England und Paris. Die literarische Auswertung veröffentlichte er in den „Ansichten vom Niederrhein“. Humboldt war von Forster beeindruckt und bezeichnete ihn in seinem Spätwerk „Kosmos“ als den „hellsten Stern seiner Jugend“.
Forster blieb bei seinen Berichten nicht wissenschaftlich distanziert, sondern setzte das Erlebte in Bezug zu den aufklärerischen Ideen seiner Zeit. Als politisch aktiver Jakobiner wirkte er 1773 bei der Gründung der kurzen Mainzer Republik mit. Die preußischen Truppen stellten jedoch bald die alte Ordnung wieder her. Keine 40 Jahre alt starb Forster im Januar 1794 an einer Lungenentzündung in Paris.
Der zweite Kolumbus
Zehn Jahre vor Cooks dramatischem Tod auf Hawaii kam Alexander von Humboldt (1769-1859) zur Welt. Der Universalgelehrte, dessen naturwissenschaftlichen Leistungen lange im Vordergrund standen, wird heute als großer Reisender und Schriftsteller wiederentdeckt.
Humboldt war mehr als nur ein Vermesser der Welt. „Er ist sicher eine der merkwürdigsten Naturen, die es je gegeben hat«, schrieb sein Bruder Wilhelm von Humboldt im Jahr 1817. Alexander dachte nicht in festgelegten Kategorien, sondern setzte sich immer mit verschiedenen Aspekten und Widersprüchen, auch seinen eigenen, auseinander. Über das Entdecken hinaus beschäftigte er sich damit, wie das auf den Reisen Erlebte das Denken verändert und wie das Gesehene erzählt und beschrieben werden kann. Immer mehr wurde er sich seiner eigenen eurozentrischen Prägungen bewusst und fand so zu neuen Formen der Beschreibung des „Fremden“. Die Studien des Querdenkers und Weltbürgers verhalfen der Neuen Welt, die im 18. Jahrhundert in Europa als minderwertig und unfertig galt, zu mehr Selbstvertrauen und besserem Verständnis in Europa. Deshalb wird Humboldt in Lateinamerika gerne als „wahrer Entdecker“ des Kontinents gefeiert.
Dass Humboldt seine Forschungsreise in die europäischen Kolonien selbst finanzierte, ermöglichte ihm große Freiheit in Form und Inhalt der Berichterstattung. Er wich von den damaligen Konventionen ab und schuf originelle, moderne Berichte mit Bildern, Sachtexten und Aufsätzen, die eben nicht den europäischen Helden mit seinen exotischen Abenteuern in den Mittelpunkt stellten. Humboldts Reiseberichte werden erst in letzter Zeit als Literatur wahrgenommen.