24.02.2012

Spurensuche

Wer sind sie, die Helden der Nachhaltigkeit? Was müssen die Figuren in den Geschichten heute tun, um die Welt zu retten? Kann man angesichts der überall herrschenden Unübersichtlichkeit der Verhältnisse überhaupt noch handeln, literarisch oder real? Welche Impulse gibt ein christlicher Schöpfungsglaube? Und kann so ein sachliches und eher abstraktes Thema überhaupt spannend aufbereitet werden und literarisch ankommen? [mehr]

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Eine Frau und ein Mann begegnen sich in einem Wellnesshotel. Sie möchte ein neues Videoprojekt realisieren, er sucht nach einem Weg aus der Schreibblockade. Beide haben unruhige Zeiten und manches Unbearbeitete und Nichtverdaute im Lebensgepäck. Durch wechselseitiges Beäugen, Begleiten in Gedanken ... weiter

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Die Kunst christlicher Lebensführung schmackhaft machen

Thomas Meurer über "Christliche Lebenskunst"

Woran erkennt man einen Christen? An der Krawatte in den Farben des Vatikans? Am Fisch-Aufkleber auf dem Auto? Am Kreuz am Revers oder an der Kette? Wenn Christen die Aufforderung Jesu "Kommt und seht" (Joh. 1, 39) ernst nehmen, müsste man sie auch an ihrer Lebensführung, an ihrer hoffnungsfrohen Ausstrahlung erkennen. Wie man sich diesem Anspruch in der Welt von heute annähern kann, zeigen die Beiträge in dem Lesebuch "Christliche Lebenskunst", herausgegeben von Peter Bubmann und Bernhard Sill. Den Autoren sei es gelungen, "die Kunst christlicher Lebensführung auch einem säkularen Leserkreis wieder schmackhaft zu machen", schreibt der Karlsruher Religionspädagoge Thomas Meurer in seiner Rezension für den Borromäusverein.


Spezial-Rezension

Die Suche und Sehnsucht nach Orientierung wird in unseren vielfach beunruhigten Zeiten immer größer. Anstatt nur irgendwelchen Lebenshilfebüchern und esoterischen Ratgebern das Feld zu überlassen, ist es sinnvoll, den reichen Schatz der christlichen Tradition auf Impulse abzuhorchen, wie das eigene Leben gestaltet werden kann, um zu jener "Fülle des Lebens" zu gelangen, von der die Botschaft Jesu spricht.

Diesem Desiderat geht das von Peter Bubmann und Bernhard Sill besorgte Buch "Christliche Lebenskunst" nach. Die beiden Hochschullehrer für Theologie wollen mit den 41 Artikeln unterschiedlicher Autorinnen und Autoren Beispiele, Übungen und Vorschläge einer "Christlichen Lebenskunst" präsentieren, die darauf abzielt, "das eigene Leben bewusst in, mit und unter dem Wirken des Geistes Gottes zu gestalten." (S. 10). Dabei geht es nicht um abstoßende Frömmelei, sondern gerade um "stilvolle Aneignung" (S. 15) der Wirklichkeit Christi, also um gelebte Nachfolge in der heutigen Welt. Die zahlreichen Beispiele aus unterschiedlichen spirituellen Traditionen wollen "Möglichkeitsräume gelingenden Lebens" (S. 15) eröffnen, um die "Kunst aller Künste" (H. Timm) beherrschen zu lernen: "ein Christenmensch zu werden". So entsteht ein hoher Anspruch, der zugleich ein ansprechendes Ideal als Ziel vor Augen stellt: die Lebenskünstler der Christusaneignung malen geradezu die Schönheit der göttlichen Gnade und Freiheit vor Augen. Oder anders gesagt: an der Kunst des Einzelnen, sein Leben christlich zu meistern, lässt sich ablesen, was Gott mit Mensch und Welt im Sinn hat(te).

Schon ein erster Blick in das Inhaltsverzeichnis führt namhafte Autoren vor Augen, die an diesem Sammelband beteiligt waren: Thomas Söding, Georg Steins, Lorenz Wachinger, Georg Langenhorst, Ansgar Franz und Dorothea Sattler - um nur einige zu nennen. Von entsprechend theologischer Qualität sind die Beiträge, die das von dem Erlanger Praktischen Theologen Bubmann und dem Eichstätter Moraltheologen Sill herausgegebene Buch versammelt. Inhaltlich gliedert sich das 388 Seiten starke Buch in sieben Schwerpunkte: "Die Sinne schärfen", "Dem Leben Form und Ausdruck geben", "Miteinander auskommen", "Die Wechselfälle des Lebens bestehen", "Dem Leben Ziel und Richtung geben" und "Spirituell leben". Wenngleich diese Überschriften gemessen an den jeweiligen Beiträgen auch etwas willkürlich, redundant und in gewissem Sinne phantasielos daherkommen, so sind die jeweils dialektischen Artikelüberschriften "Hören & zuhören" z.B. oder "Aufbrechen & innehalten" doch selbständig genug, um diese Zuordnungen zu überspringen. Alles in allem bietet sich dem Leser, der Leserin ein ungeheuer reiches und instruktives Spektrum an Anregungen dar, das zur persönlichen Lektüre ebenso geeignet ist wie zum Einsatz in der Arbeit mit religiös orientierten Lesekreisen und spirituell interessierten Gruppen.

Wie in jedem Buch, an dem viele mitwirken, sind auch hier die Beiträge von sehr unterschiedlicher Qualität. Bei einigen Autorinnen und Autoren spürt man sofort, dass sie wissen, wovon sie schreiben, einige sind - wie man es von ihren anderen Publikationen gewöhnt ist - wie immer theologisch sprühend und instruktiv, wieder andere bedienen ein gewohntes und offensichtlich nur als Fassade dienendes theologisches Sprachspiel. Wie soll beispielsweise der Informationswert eines Satzes wie "Wenn ich faste, dann setze ich einen bewussten Akt der Unterbrechung und verzichte auf Nahrung oder Nahrungsmittel für einen gewissen Zeitraum." (S. 337) eingestuft werden? Oder was ist von einem Satz wie "Geben und Nehmen sind vieldeutig, ambivalent." (S. 133) zu halten? - Diese beiden von manchen anderen Beispielen machen deutlich, dass die Herausgeber vielleicht doch deutlicher die Form, will sagen: Sprache und Zugangsweise zum Thema, hätten redigieren sollen, um nicht Gefahr zu laufen, dass manche Beiträge sich in völliger Banalität verlieren. Diese kritische Einschätzung darf aber nicht die Tatsache überschatten, dass es in diesem Band auch sehr gelungene Versuche gibt, die Kunst christlicher Lebensführung auch einem säkularen und kirchenfernen Leserkreis wieder schmackhaft zu machen. Neben den Beiträgen von Söding, Langenhorst und Franz sei hier besonders auf den Beitrag von Hannes Langbein und Inge Kirsner hingewiesen - beides junge Theologen mit einem erfrischenden, ja geradezu "gewitzten", in jedem Fall aber an postmoderne Diskurse anschlussfähigen Zugang zu ihren Themen.

Wer Anregungen zu einer christlichen Lebenskunst sucht, weil er bei den Bestsellern des religiösen Buchmarktes, die (aus nicht nachvollziehbaren Gründen) über den grünen Klee gelobt werden, nicht fündig geworden ist, der ist mit diesem Buch gut bedient, wenn nicht gar beschenkt. Es liegt in mehr als einem Sinne gut in der Hand und hat Gewicht. Dass die literarische Halbwertzeit der Beiträge nur kurzzeitig sein wird, ist nicht zu befürchten. (Thomas Meurer)

Foto: privat

Zur Person

Thomas Meurer ist Professor für katholische Theologie und Religionspädagogik an der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe und als Autor u.a. aus Christ in der Gegenwart bekannt.

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Christliche Lebenskunst

von Bernhard Sill
PUSTET, REGENSBURG(2008)
Hardcover
ISBN-10: 3791721402 ISBN-13: 9783791721408 MedienNr.: 297700 24.90 €
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