Die jüngste Tochter von Mackenzie und Nan Philips wird während eines Campingurlaubs entführt und später ermordet. Neben ihrer Tochter Kate, die glaubt, schuld an Missys Tod zu sein, ist es der Vater Mack, der ihren Tod und die Umstände nicht verwinden kann und in einer tiefen Depression versinkt. Als Nan mit den anderen Kindern für ein Wochenende unterwegs ist, findet er einen Brief, der ihn bittet, in die Hütte zu kommen, in der Missy ermordet wurde. Unterschrieben ist er von "Papa", eine Bezeichnung für Gott, die seine Frau immer gebraucht. Voller Unsicherheit macht Mack sich auf den Weg. Es folgt "ein Wochenende mit Gott", so auch der Untertitel des Buches, das in den USA schnell auf den Bestsellerlisten stand.
Mack begegnet in der Hütte Gott in drei menschlichen Gestalten, einer mitfühlenden Frau als „Gottvater", Jesus als eher coolem Schreiner und Sarayu, eine Frau mit schimmerndem Äußeren, als Gestalt des Geistes. Alle drei beschäftigen sich auf ihre eigene Weise mit Mack und seiner Depression, um ihn zu heilen.
Die Gespräche greifen die typischen Fragen nach dem gewaltsamen Tod eines Menschen (Familienmitglieds) auf: Wie kann Gott das zulassen? Wer ist schuld? Warum musste Jesus sterben? Die Antworten „Gottes" sind eindeutig: nur wer in Beziehung lebt und denkt, kann ein glaubender Mensch sein und kommt dem Verständnis des dreieinigen Gottes nahe. Alles Leid und jeglicher lebbarer Umgang damit erschließt sich aus der Liebe.
So ganz nebenbei wird damit auch die Institution Kirche beiseite geschoben und der universale Zugang über jegliche Religionsausprägung ohne Differenzierung propagiert. So sehr der heilende Umgang mit der Depression überzeugt und den psychologischen Ansatz aufgreift, so kritisch ist die allzu beliebige Beziehung zu Gott zu bewerten. Auch die Einbettung des Vorwortes und Nachwörter(!) des Autors, die eine heilende Begegnung über die Geschichte des Buches möglich machen wollen, sprechen von einem sehr US-amerikanisch-freikirchlich geprägten Umgang mit dem Glauben.
Die Geschichte ist wie eine Parabel als Lehrstück aufgebaut, das einerseits anrührt und andrerseits eine gewisse Naivität zwischen den Lehren versteckt. Auch in Deutschland hat der Roman die Bestsellerlisten erobert, was nicht wundert, weil es einfache Antworten nachvollziehbar vermittelt und so die Menschen anspricht. Doch Depression und/oder der Umgang mit einem derart belastenden Thema wie Mord lässt sich nicht einfach mit dem Lieben und Vergeben erledigen. Das Buch bietet einen niederschwelligen, einlullenden Zugang zu einem schwierigen Themenkomplex. Auch wenn der Roman in den Bestsellerlisten steht, sollten Katholische öffentliche Büchereien besser darauf verzichten, weil die „Lösung", die „Gott" hier anbietet, letzten Endes das Leid der Betroffenen nicht ernst nimmt. Susanne Körber