von
Lee Tae-Jun, Kim Dong-Seong
BAOBAB BOOKS; NORD-SÜD-VERLAG(2011)
Hardcover
Ein Bilderbuch aus Korea. Dtsch.-Korean.
ISBN-10: 3905804239
ISBN-13: 9783905804232
MedienNr.: 275748
15.90 €
Borro-Rezension
Anrührende, leise Bildergeschichte um ein kleines Kind, das auf dem Bahnsteig auf seine Mutter wartet.
Es gibt wohl kaum etwas Schlimmeres für ein kleines Kind, als mutterseelenallein in der Kälte auf einem Bahnsteig zu stehen und auf die Mama zu warten. Diese Situation des hilflosen Alleingelassenseins ist Thema dieser sehr emotionalen koreanischen Geschichte, die zweisprachig erzählt wird: Ein kleines Kind, wegen der Kälte dick eingepackt in eine koreanische Wickeljacke und mit einer warmen Mütze auf dem Kopf, begibt sich zur Straßenbahnstation, um seine Mama abzuholen. Ganz aufgeregt sieht es die erste Straßenbahn einfahren, doch seine Mama steigt nicht aus und der Zugführer kennt seine Mama nicht. Tapfer wartet es auf die nächste Straßenbahn, doch wieder kommt die Mama nicht. So vergeht die Zeit - Züge kommen und fahren wieder ab, viele Leute steigen aus oder zu, doch Mama ist nicht dabei, und niemand nimmt sich des Kindes an, das trotz zunehmender Kälte und beginnenden Schneefalls traurig stehenbleibt und wartet… Erstaunlich, wie der Leser mit wenig Text, aber umso berührenderen Bildern eingebunden wird in die Situation der Einsamkeit, des Verlassenseins und der Kälte. Diese in Korea sehr bekannte Geschichte hat nun der junge Zeichner Kim Dong-Seong neu illustriert. Die teils in warmen, monochronen Brauntönen, teils in zarten Aquarellfarben gemalten Bilder zeigen traditionelles Leben, wie es im heutigen Korea kaum noch zu finden ist. Problematisch ist aber die Tatsache, dass das glückliche Ende - die Mutter führt das Kind im Schneetreiben an der Hand nach Hause - auf dem letzten Bild, das zudem ohne Worte bleibt, in den drei Farben grün, weiß und braun fast wie in einem Rätselbild versteckt ist und daher von vielen (auch erwachsenen) Betrachtern nicht wahrgenommen werden dürfte. Wenn dieses glückliche Ende fehlt, werden Kinder aber sicher sehr beunruhigt sein von der dann aussichtlos endenden Geschichte des Alleingelassenwerdens. Darum nur sehr bedingt empfehlenswert.
Margit Pongratz-Luttner