Der neue Roman von Paulo Coelho, 2009 in Deutschland erschienen, spielt in der mondänen Welt der Filmgrößen, der auf- und untergehenden Stars und Sternchen, der Models und Produzenten. Das Buch handelt vom Streben nach Ruhm, Anerkennung und Geld, vom Sehen und Gesehenwerden. Der „rote Teppich" symbolisiert dies alles. Die Zeitspanne des Romans umfasst einen Tag, beginnend um 3 Uhr 17 mit dem ersten Kapitel und endend um 1 Uhr 55. Ort der Handlung ist Cannes zur Zeit der jährlich stattfinden Filmfestspiele. An diesem Tag geschehen dort mehrere Morde, Träume von Karriere und Liebe, von gesellschaftlichem Auf- und Abstieg entwickeln sich an diesem Tag und zerplatzen.
Die gute Nachricht zu diesem Roman vorweg: Dieses Mal tritt Coelho nicht als Lehrmeister seichter Esoterik auf. Aber Coelho wäre nicht Coelho, wenn er nicht eine Botschaft zu übermitteln und eine Moral zu verkünden hätte. Er selbst sagt, sein Buch sei „kein Thriller, sondern ein ungeschöntes Abbild unserer heutigen Welt." (S. 12) Dieses Abbild möchte Coelho ungeschminkt zeigen und Menschen mit seinem Roman die Augen öffnen. Auch wenn das Buch kein Krimi ist, verwendet Coelho Elemente des Kriminalromans, allerdings geht es nicht um Aufklärung von Verbrechen durch Detektive, sondern um Aufklärung auf einer anderen, gesellschaftlichen Ebene, um den Blick hinter die Kulissen einer Welt von Luxus und Glamour.
Die Hauptpersonen: Igor, ein skrupelloser russischer Millionär, Hamid, ein aus dem Nahen Osten stammender Modezar, Gabriela, eine amerikanische Schauspielerin, und Jasmine, ein Modell auf dem Weg nach oben. Die Geschichte: Igor kann es nicht ertragen, dass sich seine Frau Ewa von ihm getrennt hat und mit dem Modemacher Hamid lebt. Er reist nach Cannes, wo sich das Paar während des Festivals aufhält. Kaltblütig geht Igor seinen zerstörerischen Weg, besessen von der Idee, Ewa seine Macht zu beweisen und sie wieder für sich zu gewinnen.
Coelho hat für seinen Roman fleißig in der Film- und Modebranche recherchiert und bietet die Ergebnisse teils in anschaulicher, oft aber auch in ermüdender Weise dar. Spannend sind die Partien des Buches, in denen Coelho den Personen ein Gesicht durch erzählerische Darstellung und Dialoge gibt, etwa wenn er den Weg Hamids aus ärmlichen Verhältnissen zum internationalen Star beschreibt. Oder die Geschichte von Jasmine, die eigentlich Cristina heißt und mit einer Schuld leben muss, der sie zu entkommen sucht. Schwach ist er, wenn er seine angelesenen Hintergrundinformationen zur Film- und Modeindustrie referiert. Seine Botschaft: „Wir ersticken an unseren Lügen; wissenschaftlicher Fortschritt gilt den meisten mehr als spirituelle Werte; wir tun ständig Dinge, von denen die Gesellschaft behauptet, sie seien wichtig, und unsere Seele darbt dabei". (S. 142) Der Roman ist ein Buch über die Macht und der „Weg der Macht kennt kein zurück". (S. 237). Coelho ist ein Moralist, ein Prediger und in diesem Buch ein durchaus unterhaltsamer. Sein Thema ist das seiner früheren Romane: Die Träume der Menschen. In seinen esoterisch ausgerichteten Büchern ist es das Anliegen Coelhos darzulegen, wie Liebe und das Streben nach spirituellen Wurzeln das Leben positiv verwandelt. In diesem Roman zeigt der Autor die exoterische Seite des Lebens: wie das Streben nach Macht, Reichtum und Ruhm sowie der Wille, zur „Superklasse" zu gehören, die Welt zerstören. Nur einer kann in diesem System der Sieger sein, aber, das sagt schon programmatisch der Titel: „Der Sieger bleibt allein". Am Ende des Buches sind sechs Welten, der Lebensentwurf und das Leben von sechs Menschen, zerstört.
Werner Hoebsch