...gemeinsam Literatur erleben
„Der Mann, den ich liebe, ist am Sonntag vor zwei Wochen in der Geisterbahn verschwunden." (S. 7) Marga Burg, umhüllt von einem altmodischen Mantel mit riesigem Kragen, einem Rhabarberblatt ähnlich, sitzt Robert Mandt, dem Kriminalhauptkommissar, gegenüber.
Robert, der laut seinen Kollegen wie George Clooney aussieht und bekennender Bob Dylan Fan ist, fühlt sich geradezu magisch zu dieser Frau hingezogen. Marga wirkt wie aus einer vergangenen Zeit entsprungen. Sie löst bei ihm „schöne" Erinnerungen an seine Exfrau Isa und gleichzeitig an alle Frauen, denen er in seinem bisherigen Leben begegnet ist, aus.
Er nimmt die Vermisstenanzeige auf, obwohl er insgeheim nicht an einen Ermittlungsfall glaubt. „Dieser Mathias wollte sich absetzen und hatte aus Feigheit oder aus Rücksicht auf eine Frau, die einen anrührte und anstrengte zugleich, den Abgang über die Geisterbahn gewählt." (S. 17)
Die Kollegen von Mathias aus der Filmproduktionsfirma sind sich einig: „Unser Mathias hatte keine Lust, mit dieser Frau und ihrer weißen Bluse in Urlaub zu fahren, und hat diskret einen Abgang über die Geisterbahn gemacht. Das hat Witz und Stil, oder, Herr Kommissar?" (S.26)
Roberts Recherchen führen in die verlassene Wohnung von Mathias und zur Schaustellertruppe der besagten Geisterbahn. Nirgends sind Spuren zu finden. Marga selbst hatte hier in ihren zwei Urlaubswochen, die eigentlich mit Mathias geplant waren, als „kalte Hand" gearbeitet.
Während seiner Ermittlungen lernt Robert auch Margas fettleibigen, infantil wirkenden Bruder kennen. Die Eltern sind beide recht früh gestorben und Marga kümmert sich seither um ihren drei Jahre jüngeren Bruder Andreas. „Andreas übrigens, sagte sie leise zurück, der ist nicht krank, obwohl er im dreiunddreißigsten Semester Mathematik studiert und selbst im Hochsommer bei Tisch einen Mantel anzieht. Wie führen eine komische Geschwisterehe, ich weiß, aber er ist normal, und ich bin seinetwegen nicht unglücklich ... (S. 125)
Robert muss zwischendurch auf eine schon lange vereinbarte Vortragsreise über „Kälteidiotie" - das zwanghafte Entkleiden direkt vor dem Erfrierungstod - gehen und in Dresden trifft er auf Marga, die ihm nachgereist ist. Marga betört und umgarnt ihn, beide sind einsam und auf der Suche nach dem „Glück", eine kurze Liebesaffäre nimmt ihren Lauf. „Es könnte sein, dass ich mich an so etwas gewöhnen und eines Tages ihr Erzählen sogar vermissen würde. Sie macht, dass ich unablässig meine eigene Geschichte wieder erlebe, egal, welche Geschichte sie gerade erzählt." (S. 111)
Im weiteren Verlauf wird Robert angeschossen und Margas Bruder verschwindet.
Das Besondere bzw. Ungewöhnliche an diesem Roman ist: Er fängt wie ein Krimi an, ist aber mehr eine Liebesgeschichte voller Melancholie und Traurigkeit. Einige Passagen muten fast unwirklich und märchenhaft an. Es geht um Erinnerung, Träume, Sehnsüchte und Einsamkeit und dies alles in einer atmosphärischen Dichte bildhaft dargestellt.
Neben Marga und Robert lernen wir im Laufe des Romans noch weitere Personen kennen, unter anderem Nico, die Kollegin Roberts, Isa, die Exfrau, und Ela, die Nachbarin Margas.
Für einen Gesprächkreis wäre jedoch interessant
- die beiden Lebensläufe von Marga und Robert zu betrachten,
- daraus resultierend das besondere „Verhältnis", die Anziehungskraft zwischen
Marga und Robert zu besprechen.
- Auch die Frage: Warum scheiterte das „Miteinander" von Robert und seiner Exfrau
Isa?
- Die Entwicklung der Geschwister Marga und Andreas zu verfolgen.