Der brasilianische Erfolgsautor Paulo Coelho erzählt in seinem Roman „Brida" die Geschichte einer jungen Frau, die Antworten auf die Fragen der Liebe, der eigenen Identität und nach dem Geheimnis des Lebens sucht. Die 21-jährige Brida ahnt, dass nur Esoterik und Magie in der Lage sind, ihr bei der Lösung ihrer Lebensfragen den Weg zu weisen. Daher wird sie Schülerin eines Magiers und einer Hexe. Auf ihrem Schulungsweg gerät sie in den Konflikt, sich in der Liebe zwischen dem Magier und ihrem Freund Lorens, einen Physikstudenten, entscheiden zu müssen. Wie in vielen seiner Bücher lässt Coelho auch in diesem Roman die Hauptpersonen esoterische Wege gehen. Die Botschaft Coelhos lautet: Esoterik ist der Weg der Erkenntnis dessen, was Himmel und Erde ausmacht und verbindet. In dem Roman „Brida" ist es die Tradition der weisen Frauen, der Hexen, die Coelho in Mittelpunkt stellt, damit verbunden aber Zeitreisen in frühere Reinkarnationen.
Literarisch ist der Roman eher einfach ausgestattet, die Handlung des Romans wirkt programmatisch konstruiert und verläuft ohne große Höhen und Tiefen, die Hauptpersonen bleiben blass und es vermittelt sich der Eindruck, dass sie vom Autor lediglich als Träger seiner esoterischen Ideen genutzt werden. Von Lorens, dem Freund von Brida, erfahren die Leserinnen und Leser nur, dass er Physik studiert und Brida liebt. Ein möglicher Konflikt zwischen der naturwissenschaftlichen Sichtweise des Physikstudenten und der esoterischen von Brida wird schnell durch die Erkenntnis gelöst, dass auch Naturwissenschaftler nicht alle physikalischen Phänomene erklären können. „Wir wissen, dass das Geheimnis nie aufhören wird - und deshalb lernen wir, es zu akzeptieren und mit ihm zu leben." (S. 90) Ansonsten bleibt Lorens als Zuschauer und Zaungast im Roman.
Was ist der inhaltliche Gehalt des Buches? Was erfährt der Leser/die Leserin über das Leben? Die Antworten des Romans sind so einfach wie eingängig: Das Leben ist ein Geheimnis, das Risiken birgt und nur wer wagt, der gewinnt. Coelho gelingt es, die Leserinnen und Leser ohne geistige Anstrengung in seine Gedankenwelt hineinzuholen. Wie sanfte Sphärenmusik lässt die Erzählmelodie des Romanes die Leserinnen und Leser in eine andere, übersinnliche Welt gleiten, die nicht mehr mit präziser Begrifflichkeit fassbar ist, die dunkel und geheimnisvoll erscheint. Da dürfen Sätze fürs Poesiealbum wie „Denn die Liebe ist der Schlüssel zu allen Geheimnissen" (S. 137) oder: „Ich werde nie vergessen, dass Liebe Freiheit ist" (S. 249) nicht fehlen.
Eine flache Mystik wird als Weg zum Verständnis der übersinnlichen Welt und ihrer Geheimnisse empfohlen, nur Eingeweihte finden hierzu einen Zugang. Höhepunkt des esoterischen Weges von Brida ist ihre Initiation zur Hexe in einem Ritual am Hexensabbat. Peinlich wirkt dabei die Vorstellung eines Holzlöffels als geheimes Erkennungszeichen der Hexen seit den Zeiten der Verfolgung.
Natürlich darf auch im Roman das Christentum als Trägerin esoterischen Wissens nicht fehlen. Unbekümmert verbindet Coelho Christentum - es wird Bezug genommen auf Jesus, Paulus und Johannes vom Kreuz - mit Magie, Tarot, Reinkarnation, Astralreisen, Hexenkult. Neben dem Gebet vor dem Gekreuzigten kann Brida ebenso um den Schutz der Waldgeister bitten. Dass es in der biblischen Tradition gerade um Befreiung von magischen Mächten und Gewalten sowie von esoterischen Vorstellungswelten geht, steht der Botschaft des Romans entgegen. Coelho wirbt für eine individuelle Religiosität, in der der Einzelne seinen Weg finden muss und sich dabei der Zutaten unterschiedlicher religiöser und esoterischer Traditionen bedienen soll. Werner Höbsch