24.02.2012

Spurensuche

Wer sind sie, die Helden der Nachhaltigkeit? Was müssen die Figuren in den Geschichten heute tun, um die Welt zu retten? Kann man angesichts der überall herrschenden Unübersichtlichkeit der Verhältnisse überhaupt noch handeln, literarisch oder real? Welche Impulse gibt ein christlicher Schöpfungsglaube? Und kann so ein sachliches und eher abstraktes Thema überhaupt spannend aufbereitet werden und literarisch ankommen? [mehr]

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Eine Frau und ein Mann begegnen sich in einem Wellnesshotel. Sie möchte ein neues Videoprojekt realisieren, er sucht nach einem Weg aus der Schreibblockade. Beide haben unruhige Zeiten und manches Unbearbeitete und Nichtverdaute im Lebensgepäck. Durch wechselseitiges Beäugen, Begleiten in Gedanken ... weiter

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Das Recht auf körperliche Unversehrtheit

Ab 27. August im Kino: Die Verfilmung von Jodi Picoults Roman "Beim Leben meiner Schwester" (2005) über die 11-jährige Anna, die nicht länger als Ersatzteil für ihre leukämiekranke Schwester herhalten will und gegen ihre Mutter auf ihr Recht auf körperliche Unversehrtheit klagt. Lesen Sie hier die filmdienst-Kritik und die Borro-Rezension zum Buch.

Dies ist der Stoff, aus dem Familienalbträume bestehen - und Artikel gegen Präimplantationsdiagnostik: Ein kleines Mädchen mit einem bestimmten Chromosomen-Satz, lediglich in die Welt gesetzt, um der älteren Schwester Leben zu schenken - ein wandelndes Ersatzteil-Lager. Die meisten Menschen werden aus Liebe oder aus Versehen gezeugt, manche hingegen aus purer Berechnung, so resümiert Anna Fitzgerald zu Filmbeginn ihren Start ins Dasein. Seit ihrer Geburt spendete die Elfjährige Blut und Knochenmark für ihre an Leukämie erkrankte, ältere Schwester Kate. Nun engagiert das Mädchen mit den großen Augen und seinem forschen Auftreten den „What can I do for You"-Anwalt von den Linienbus-Plakaten, um gegen ihre eigene Mutter das Recht auf körperliche Unversehrtheit zu erstreiten. Angst und Auflehnung gegen die Operationen, die einhergehenden Schmerzen und wochenlangen Komplikationen begleiteten Annas bisheriges Leben. Kindliche Befindlichkeiten, nicht aufzuwiegen gegen deren lebensrettende Aufgabe, so verteidigt sich die ehemalige Anwältin und Mutter Sara.

„Beim Leben meiner Schwester" fasst das langsame Sterben eines Kindes in schonungslose Bilder: Reaktionen der Chemotherapie und eines schwindenden Körpers, Erbrechen, blutunterlaufene Augen, ein blauädrig weißer, haarloser Kopf. Nun braucht die 14-jährige Kate dringend eine Niere von Anna - doch mit deren Weigerung beginnen die auf Video gebannten, sonnendurchfluteten Momentaufnahmen einer gemeinsamen Jugend dem sterilen Blau des einsamen Krankenhauszimmers zu weichen. Ein von Collagen, Fotos und Zeichnungen überzogenes Erinnerungsalbum sorgt für Einblicke in Kates jugendlichen Umgang mit der Vergänglichkeit - und für die traurigsten Momente des Films. Diese sind den Handlungsbausteinen und den melodramatisch überzeichneten Charakteren immanent, dennoch bemüht sich Regisseur Nick Cassavetes, nicht allzu stark auf die Tränendrüse zu drücken. Betroffenheit wurde auch in seinem Alzheimer-Liebesdrama „Wie ein einziger Tag" (2004) groß geschrieben. Das Hauptaugenmerk liegt diesmal jedoch auf einer aufgeriebenen Familie, die an Annas entschiedenem „Nein" zur Spende endgültig zu zerbrechen droht. Die vehemente Weigerung der angsterfüllten Mutter Sara, dem Tod der Tochter ins Auge zu sehen, überrollt alle: Sohn Jesse zog sich schon lange zurück, Vater Brian, von Beruf Feuerwehrmann, verfiel in Lethargie, die beiden Schwestern schweben in einer „mütterlich" überwachten, mental-körperlichen Symbiose, die Anna zunehmend als parasitär empfindet. Anna fragt, was mit ihr sei, mit den eingeschränkten Sportmöglichkeiten, mit der eigenen Gesundheit, wenn sie Kate mit ihrer Niere das Überleben schenkt.

Cassavetes stellt dieses Worst-Case-Szenario eines funktionellen Ersatzkindes, zu dem Elternliebe führte und das diese letztendlich auch für sich selbst beansprucht, in den Mittelpunkt seines melodramatischen Familienreigens. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Jodi Picoult packen er und sein Drehbuchautor Jeremy Leven in klassische Hollywood-Dramaturgie. Die dazugehörigen, fast schon traumartigen Erinnerungsbilder eines glücklicheren Lebens und ihre Montage verschreiben sich eher dem Arthouse-Kino. Dieses machte auch „Little Miss Sunshine" (2006) Abigail Breslin, nun als zerrissene Schwester Anna, vor drei Jahren international bekannt. Breslin teilt hier das Schicksal von Sally Hawkins, die nach Mike Leighs „Happy-Go-Lucky" (2008) in der Verfilmung des Erfolgsromans „Wüstenblume" spielt und somit den nicht immer heilsamen Schritt ins Mainstream-Kino vollzieht. Die dort längst heimische Cameron Diaz wird indessen als unprätentiös verzweifelnde Löwenmutter gerade gegen ihren sonstigen komödiantischen Strich gebürstet. Mithilfe des geschickt in verschiedene Richtungen ziehenden Mutter-Tochter-Gespanns schildert Cassavetes das Melodram einer Welt, in der modernste Medizin mit alten Krankheiten auf den Schultern der Betroffenen ringt - Saras Kampfgeist wirkt dabei ebenso verständlich wie Annas Recht auf körperliche Unversehrtheit. Das Problem klebt und nagt hier weniger an zwei verschiedenen Interessengruppen als vielmehr an der Situation, in die sich die Fitzgeralds vor elf Jahren mit Annas Zeugung hineinmanövriert haben. Die Entscheidung zwischen Spende und Nicht-Spende wird erst durch die Errungenschaften der Wissenschaft unmenschlich - in einem Gefüge, das als das menschlichste gilt: der Familie. Kathrin Häger/Filmdienst

Quelle: Filmdienst

Medienempfehlungen[mehr]

Beim Leben meiner Schwester

von Jodi Picoult
PIPER(2005)
Hardcover
Roman ISBN-10: 3492047424 ISBN-13: 9783492047425 MedienNr.: 548843
Führen wir nicht bzw. nicht mehr. 19.90 €
Borro-Rezension

Ein Interessenkonflikt in der Familie der leukämiekranken Kate und deren Schwester Anna, die ihre Niere spenden soll.

Wenn die Entscheidung für das Leben des eigenen Kindes gleichzeitig Schmerzen und Risiken für das andere bedeuten, dann sind das unvorstellbare Konflikte für die Eltern. Genau um diesen Konflikt - geschildert aus der Sicht aller Beteiligten - geht es [mehr]

Lotte Schüler

Beim Leben meiner Schwester

von Jodi Picoult
PIPER(2010)
Taschenbuch
Roman ISBN-10: 3492247962 ISBN-13: 9783492247962 MedienNr.: 263787 9.95 €
Borro-Rezension

Ein Interessenkonflikt in der Familie der leukämiekranken Kate und deren Schwester Anna, die ihre Niere spenden soll.

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Lotte Schüler
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