„Houston, Tranquility Base here. The Eagle has landed", meldete Neil Armstrong vor 40 Jahren nach Houston. Zusammen mit seinem Kollegen "Buzz" Aldrin war er auf dem Mond im Mare Tranquillitatis gelandet. Am 21. Juli 1969 um 3 Uhr 56 Minuten und 15 Sekunden Mitteleuropäischer Zeit betrat er als erster Mensch den Erdtrabanten und sprach die historischen Worte: „Dies ist ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit." Damit hatte das bis heute größte zivile Unternehmen der Geschichte seinen Höhepunkt erreicht. An dem Projekt Apollo hatten in Hochzeiten 400 000 Menschen gearbeitet, insgesamt hat es 25 Milliarden US-Dollar gekostet. Das entspricht einem heutigen Kaufwert von etwa hundert Milliarden Euro und liegt damit noch über den geschätzten Kosten der Internationalen Raumstation ISS.
Rivalität zwischen den USA und der Sowjetunion als Triebfeder
Die Wurzeln des Apollo-Projekts reichen bis in die Anfangszeit der bemannten Raumfahrt zurück. Auslöser war die Rivalität zwischen der Sowjetunion und den USA in den Zeiten des Kalten Krieges. Am 12. April 1961 war Juri Gagarin als erster Mensch in den Weltraum geflogen und hatte die Erde umrundet. Nach dem Sputnik-Schock von 1957 traf dieser neuerliche Erfolg die Amerikaner schwer. Schon zwei Tage danach berief Amerikas neuer Präsident John F. Kennedy einige seiner Berater zusammen und wollte von ihnen wissen, wie man den Sowjets den Schneid abkaufen könne. „Gibt es irgendeinen Ort, an dem wir sie einholen können? Können wir vor ihnen den Mond umkreisen? Können wir vor ihnen einen Menschen auf dem Mond landen?" fragte er. Damit war die Idee geboren. Am 25. Mai 1961 verkündete Kennedy vor dem amerikanischen Kongress das Ziel, Amerika solle „noch vor Ablauf des Jahrzehnts einen Menschen zum Mond bringen und wieder sicher zur Erde zurückholen."
Am Gelingen dieses ehrgeizigen Vorhabens hatte insbesondere Wernher von Braun einen großen Anteil. Er hatte in den 1930er Jahren in Deutschland die V-2-Rakete entwickelt und träumte schon damals von einer Mondrakete. Kurz nach Kriegsende holten die Amerikaner ihn und mehr als hundert seiner Raketenspezialisten in die USA, wo sie zunächst in Fort Bliss, Texas, die Möglichkeit erhielten, am amerikanischen Raketenprogramm mitzuarbeiten.
Im Jahre 1946 verschickten übrigens die Sowjets von Brauns ehemaligen Mitarbeiter Helmut Gröttrupp und viele seiner Kollegen in die Sowjetunion. Dort entwickelten sie unter der Regie des „Chefkonstrukteurs" Sergej Koroljow eine leistungsstarke Rakete, mit der 1957 der erste Satellit, Sputnik 1, in eine Erdumlaufbahn geschossen wurde. Das Wettrennen um die Vorherrschaft im All wurzelte also in Ost und West in der Entwicklung der deutschen V 2.
Der Weg zum Mond
Der Weg zum Mond verlief in drei Stufen. Zunächst einmal wurde eine Rakete benötigt, die sicher ein Raumschiff in eine Erdumlaufbahn schießen konnte. Das war das Ziel des Programms Mercury, das bereits 1958 beschlossen wurde. Zu der Zeit wusste noch niemand, wie der menschliche Körper auf die Schwerelosigkeit reagieren würde und ob Astronauten längere Zeit dort leben könnten.
Mercury wurde ein großer Erfolg: Am 5. Mai 1961 flog Alan Shepard als erster Amerikaner ins All. Allerdings vollführte er nur einen Hüpfer in die Umlaufbahn. Die erste Erdumkreisung gelang John Glenn im Februar 1962, weitere drei Flüge folgten. Eine Mondlandung erfordert jedoch weitaus mehr: Es müssen mindestens drei Astronauten fliegen, und es sind komplizierte Andockmanöver zwischen zwei Raumschiffen in der Umlaufbahn nötig.
Diese Technik sowie Außenbordeinsätze wurden im Programm Gemini getestet. Zwischen März 1965 und November 1966 starteten zehn Gemini-Raumschiffe mit jeweils zwei Astronauten an Bord in eine Erdumlaufbahn. Hierbei erlernte auch die spätere Apollo-11-Mannschaft das Handwerk: Neil Armstrong flog mit Gemini 8, Michael Collins mit Gemini 10 und Buzz Aldrin mit Gemini 12.
Bis dahin war alles nach Plan verlaufen, doch nun sollte mit dem Projekt Apollo der große Sprung von der Erde zum Mond erfolgen. Der Aufwand hierfür war enorm. Unbemannte Sonden mussten zunächst einmal genaue Mondkarten erstellen, auf denen die Spezialisten der NASA einen geeigneten Landeplatz ausfindig machen konnten. Zusätzliche Landesonden sollten die Beschaffenheit der Oberfläche erkunden. Dafür waren mehr als 20 Raumschiffe nötig, von denen einige versagten.
Gleichzeitig entstand im Kennedy Space Center in Cape Canaveral eine Montagehalle, die lange Jahre das größte Gebäude der Erde war, sowie ein 3000 Tonnen schwerer Transporter. Er brachte später die leistungsfähigste Rakete aller Zeiten, die Saturn V, von der Halle zur Startrampe. Die Entwicklung der Saturn V unter der Leitung von Wernher von Braun stellte die Ingenieure und Techniker immer wieder vor schier unüberwindbare Aufgaben. Schließlich galt es, eine Leistung von hundert Millionen PS zu bändigen.
An allen Ecken und Enden tauchten Probleme auf: Wie muss ein Schutzschild konstruiert sein, der bis zu 2500 Grad Celsius aushält? Diese Temperatur tritt auf, wenn die Rückkehrkapsel mit 40 000 km/h in die Atmosphäre hineinrast. Die Entwicklung der Mondlandefähre war ein steter Kampf gegen Übergewicht. Die Wände bestanden schließlich aus Aluminiumfolie, die an einigen Stellen nur einige tausendstel Millimeter dünn war. Wie ließ sich dieses Vehikel, dessen Testversion auf der Erde die Astronauten fliegendes Bettgestell nannten, über der Mondoberfläche steuern?
Weil sich die Konstruktion der Mondlandefähre als besonders schwierig erwies, erfolgten die ersten Apollo-Flüge zur Erprobung neuer Techniken ohne sie. Im Oktober 1968 gelangte Apollo 7 in eine Erdumlaufbahn, um die neue Landekapsel zu testen. Schon zwei Monate später flogen Frank Borman, James Lovell und William Anders zum Mond. An Heiligabend erreichten sie als erste Menschen den Erdtrabanten. Sie umrundeten ihn zehnmal und kehrten zur Erde zurück. Mit Apollo 9 übten drei Astronauten diverse Flugmanöver in der Erdumlaufbahn, und erst mit Apollo 10 kam im Mai 1969 erstmals die Mondlandefähre zum Einsatz. Allerdings nur in der Erdumlaufbahn. Nachdem alle Tests erfolgreich verlaufen waren, schien der Weg für die Landung von Menschen auf dem Mond frei zu sein.
Abenteuerliche Landung
Am 16. Juli zündeten früh morgens in Cape Canaveral die Haupttriebwerke der Saturn V. Ohne Probleme zog die Rakete in den Himmel und katapultierte Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins zum Mond. Dort angekommen schwenkte das Raumschiff in eine Umlaufbahn ein. Armstrong und Aldrin stiegen in die Landefähre um und koppelten ab, während Collins im Mutterschiff Columbia verblieb. Nun folgte der abenteuerliche Abstieg der Landefähre Eagle. Anfangs verlief alles nach Plan, doch dann meldete der Bordcomputer plötzlich ein Problem. Die Abstandsmessung zum Mond lieferte widersprüchliche Ergebnisse. Schließlich schalteten die Astronauten auf Handsteuerung um. Dann das nächste Problem: Das angestrebte Landegebiet war zu steinig. Armstrong zog die Eagle weiter und musste ständig darauf achten, dass er nicht zu viel Treibstoff verbrauchte. Das würde den Rückstart zum Mutterschiff verhindern. Nicht einmal 30 Sekunden verblieben ihm noch, um das Gefährt sicher abzusetzen. Und es gelang. Am 20. Juli um 21 Uhr 17 Minuten und 39 Sekunden Mitteleuropäischer Zeit setzte die Eagle sanft im Meer der Ruhe auf.
Alles verlief nach Plan. Zweieinhalb Stunden lang hielten sich Armstrong und Aldrin außerhalb der Fähre auf, stellten wissenschaftliche Instrumente auf, sammelten Gestein ein und fotografierten die Umgebung. Dann starteten sie zurück in die Mondumlaufbahn, koppelten an das Mutterschiff an und flogen zu Dritt zur Erde zurück. Im Morgengrauen des 24. Juli wasserte das Raumschiff im Pazifik, wo es ein Bergungsschiff aufnahm.
Es folgten fünf weitere Apollo-Missionen, von denen Apollo 13 fast in einer Katastrophe geendet hätte. Im Dezember 1972 verließ der letzte Astronaut den Mond. Jetzt plant die NASA einen neuen Anlauf zum Mond. Vielleicht erfolgt die erste Landung zum 50. Jahrestag von Apollo 11, also 2019. Thomas Bührke